Liebe Freunde,
endlich finde ich wieder Zeit, euch zu schreiben. Ich finde es so in den Abständen (ca. 2 Wochen) eigentlich ganz gut, so kommt in jedem Eintrag (hoffentlich) etwas sinnvolles vor und ihr seid nicht übersättigt durch meine Gedankenströme.
Also, wo fang ich an? Vielleicht bei den Tapas! Wir (selbsternannte Spezialisten auf diesem Gebiet) haben die beste Tapasbar in Santiago de Compostela gefunden; es ist das Caballo Blanco. Für die Wahl einer solchen haben wir verschiedene Kriterien erlesen wie Preis für eine caña (ein Glas Bier), die dazukommenden Tapas, die Atmosphäre (wo, wie voll, Einrichtung) und die Freundlichkeit und Attraktivität der Kellnerin. Das Caballo Blanco konnte vor allem in den Kategorien Tapas (viel und sehr lecker), Preis (1,50/Glas), Lage und Freundlichkeit punkten. Auf Platz 2, knapp dahinter folgt das Casa Pepe, welches in den anderen Kategorien recht ordentlich abschneidet. Praktisch ist, dass die beiden Bars nur einen Urinstrahl (ca 20 Meter) auseinanderliegen. Heute abend ists wieder soweit. Vueltita de Tapas...ya me hago mucha ilusión!
Gestern war ich beim Fußball in La Coruña. Bei Deportivc wollte ich mich mal rantasten an die Weltmeisterliga. Abstiegsduell gegen Osasuna. Depo ist diese Saison noch ohne Sieg, sie sind Vorletzter und das Spiel gegen den Club aus dem Mittelfeld der Liga wurde zu einem Spiel, für das der Coach extra einen Psychologen ins Training integriert hatte.
Ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht war vom Spiel und drumherum. Bis 90 Minuten vor Spielbeginn war das Viertel um das (direkt am Meer gelegene) Stadion wie ausgestorben, die Kartenpreise waren gesalzen (keine Stehplätze, Sitzplätze ab 25 Euro) und es kamen nur ca. 20.000 Leute, obgleich der hohen Transzendenz dieses Spiels. So etwas würde es in Köln oder Frankfurt, wo seit Jahren kein attraktiver und erfolgreicher Fußball mehr gespielt wird nicht geben. Irgendwie ist die Bundesliga doch die beste Liga der Welt (Sorry Nino!).
Naja, wenigstens schien die Sonne und es wurde laut supportet (die Chants gleichen denen aus den deutschen Kurven in erstaunlich hohem Maße). Jedoch wollte es Deportivo mit dem Tore- schießen eher locker angehen lassen an diesem sonnigen Nachmittag. Trotz einstündiger Überzahl (Rot wegen Stinkefingers! Dass es sowas noch gibt....herrlich!) brachten die Blau- Weißen die Kugel nicht über die Kreidelinie. Die Stürmer waren schlicht unfähig. Eine Manschaft voller Gomezes (dachte ich, bis ich das Spiel gegen Hannover gesehen hab...). Ich suchte in den Gesichtern um mich herum nach etwas, was Anlass zur Hoffnung auf Besserung innherhalb der laufenden 90 Minuten geben könnte. Doch ich fand nichts. Leere, Resignation, Enttäuschung alla "wieder ein Sonntagnachmittag fürn Arsch!". Eigentlich war es fast wie in Köln. Leider. Naja, trotzdem war es ein wunderschöner, golden- herbstlicher Sonntagnachmittag, endlich wieder Fußball!
Heute morgen Dann stellte ich mir den Wecker auf sportliche 7 Uhr (morgens!), um um 8 Uhr beim Ausländeramt in Santiago de Compostela zu erscheinen. Warum? Darum: Um hier Sport in einer Halle machen zu können, muss man (logischer Weise) Geld bezahlen. Dieses kann man aber nicht in bar tun, sondern muss es überweisen (1). Daher muss man hier ein Konto eröffnen (2), was eigentlich auch noch nicht so richtig nach Problem klingt, es ist kostenfrei und kann jeder Zeit wieder gekündigt werden.
Also, ich in der Bank. Erstmal ein Zettelchen mit Nummer drauf ziehen. Ohne geht hier nämlich gar nichts. Nicht mal an der Fischtheke. 20 Minuten später war ich dann dran:
"Ich würde hier gerne ein Konto eröffnen!"
Typin: "Da brauchen Sie ein Dokument, welches belegt, dass Sie hier eine Wohnung haben!"
Ich:"Hmm ok. Wo krieg ich das denn?"
Sie: "Bei der zuständigen Behörde (3). Wo das ist, weiß ich nicht."
Ich: "Ok, danke."
Ab zum Rathhaus (4), von da zum Ausländermeldeamt (siehe: 3). Wunderbar, hatte sogar noch auf um 1 Uhr mittags. Ich betrete das Gebäude, wähne mich dem Formular, ich nenne es jetzt einfach mal "Passierschein A38", schon ganz nahe, da werde ich vom Beamten am Schalter, die Seelenruhe in Person mit Cigarette und Kaffee, von allen Illusionen befreit. "Was ich denn hier wolle?"- Meinen Spruch kannte ich da schon längst auswendig. "Ja. Da sind sie hier richtig. Jetzt müssten Sie eigentlich ein Zettelchen mit Nümmerchen drauf ziehen. Problem: Uns sind die Zettelchen ausgegangen. Kommen Sie doch morgen früh nochmal wieder!" Arrrgl...
Heute morgen also, 7 Uhr. Aufstehn, unter die Dusche quälen. 8 Uhr, ich steh vor der Kaschemme. Herbstliche Kälte kündigt den Winter an. Mit mir warten ca. 50 andere Leute, dass der Bums endlich geöffnet wird. Um 9 Uhr dann ist es endlich soweit. Die Pforten öffnen sich. Das beste: ich kriege endlich mein Zettelchen mit Nümmerchen drauf. 17. Eine geschlagene Stunde später, ich bin kurz vorm Einschlafen, bin ich endlich an der Reihe. Mein Anliegen wird bearbeitet von einem Kollegen, der aussieht als ob er schon seit dem Aufstehen auf die Mittagspause hinarbeiten würde.
"Ja. Okay, verstehe ich!", nuschelt er und ich bin fest davon überzeugt, den Schein bald in Empfang nehmen zu dürfen. Dann entsteht eine unangenehme Pause.
"Allerdings..."- Pause- "...müssen sie dazu erstmal dieses Formular hier (er hält mir ein Blatt Papier unter die Nase) ausfüllen. Und dann nochmal wiederkommen."(5)
Was für ein Saftladen!!!! Ich will doch nur Sport machen!!!! F***t euch doch, ihr sch*** Beamtensch***ne!
Also, jetzt wisst ihr auch, was ich morgen um 7 Uhr mache...
Die light- Version dieses kafkaesken Prozederes stellte übrigens mein Antrag aus Immatrikulation dar. Die spanische Bürokratie raubt mir den letzten Nerv!
Jetzt bin ich müde und möchte schlafen, Schuld der spanischen "Ämter", bei denen die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, nicht etwa wegen des übersteigerten Gefeieres. Eines allerdings sollte mich nachdenklich stimmen: irgendwie grüßen mich in letzter Zeit wildfremde Menschen in der Stadt. Menschen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen haben will. Vorgestern gehe ich eiligen Schrittes durch die Straßen, überquere eine Ampel, da zieht mich ein spanischer Mitzwanziger am Arm. Schockiert starrte ich ihn an. Er zurück. Ich dachte, jetzt ist es soweit. Er haut mir eine rein, weil ein paar deutsche Idioten ihm den Heimaturlaub auf Mallorca versaut haben, indem sie ihn nachts nicht schlafen ließen und tagsüber am Strand auf sein Handtuch kotzten. Weit gefehlt.
Er: "Hola Robert, wie gehts, was machst du hier?"
Ich: "Ehh...hi. Ich...bin auf dem Weg nach Hause. Vom Enkaufen! Und du?"
Er: "Ich besuche meine Freundin hier. Mann war das eine harte Nacht am Donnerstag. Du hattest auch Spaß, oder? Warst du in der Uni am Freitag?"
Ich: "Nein. Du?"
Er: "Haha, nein, du weißt doch, dass ich nicht mehr zur Uni gehe!"
Ich: "Mhhm...okay. Ich muss jetzt auch weiter. Die Ampel ist grade grün."
Er: "Na gut, dann sehn wir uns am Samstag (???)!"
Ich: "Ja, alles klar. Am Samstag."
Am Wochenende fahre ich übrigens nach Porto. Ich hoffe, das Wetter hält und ich kann euch Anfang nächster Woche über den Trip berichten. Bis dahin, haltet die Ohren streif und trinkt nicht soviel!
Montag, 18. Oktober 2010
Sonntag, 3. Oktober 2010
"Du kannst nicht immer soviel saufen!"
Nun bin ich fast auf den Tag genau 2 Wochen hier in Santiago. Zeit für einen weiteren Eintrag im Live- Ticker meines Galicien- Aufenthaltes.
Gerade in diesem Moment lasse ich die hier vergangene Zeit revue passieren. Was ist hängen geblieben? Was war wichtig? Nun, zunächst einmal kann ich es kaum glauben, dass schon 2 Wochen vergangen sind, seit ich in diese Wohnung in der Rúa San Pedro de Mezonzo eigezogen bin. Und ich fühle mich wirklich wohl. Auch, wenn vor 20 Minuten die Waschmaschine ausgefallen ist, was zur Folge hatte, dass die gesamte Küche unter Wasser stand. Doch nach einem kurzen aber intensiven Wischmob- Blues meinerseit ist das Gröbste jetzt wieder bereinigt, besser als das, die Küche ist sauberer als zuvor. Allerdings ist meine Wäsche z.T. immernoch dreckig. Was tun?
Egal, das alles interessiert euch alle wahrscheinlich einen feuchten Dreck (haha!). Zu meiner allgemeinen Verfassung: Der Herbst hat Einzug gehalten in Galicien. Und der Herbst in und um Santiago de Compostela ist mit "feucht" noch wirklich wohlwollend umschrieben. Es schüttet wie aus Eimern! Hört mir bloß auf mit Aachen! Das ist ein Witz gegen die nordspanischen Naturgewalten! Hab in diesen 3 Tagen Arche- Noah- Gedenkniederschlägen schon meinen ersten Regenschirm verschlissen. Denn zu dem schier endlos wirkenden Regen gesellt sich auch noch ein Wind, der dermaßen an dem Wandelnden rüttelt, dass dieser das Gefühl hat, Wind und Wasser kämen von allen Seiten (ist vielleicht auch so!?). Der bloße Gang zum Bäcker schürt die Aggressionen. Den modernen Sisyphos würden die Götter definitiv in Santiago de Compostela das Licht der Welt erblicken lassen.
Da lobt man sich die Stunden, die man gemütlich in einer hell erleuchteten Bar bei einem kühlen Bier totschlagen kann. Fatal: direkt neben meiner Wohnung, zwischen der Apotheke und der Jamonería (ein Laden nur für Schinken, in dem die Keulen zu dutzenden von der Decke hängen und die Straße mit einem unwiderstehlichen Geruch schwängern) ist eine eben solche Bar. Zuweilen wird dort auch Fußball gezeigt...
Apropos: Alkohol. Ein schwieriges Thema. Was mir am meisten zusetzt ist nicht etwa der Rioja, der hier zu dutzenden für nen kleinen Euro in sämtlichen Supermercados steht und vorzüglich schmeckt, auch nicht der Brandy, der jeden gut sortierten Alimentación- Laden hier in der Zona Nueva ziert. Es ist die ewige, ewige, unumgängliche Feierwut der Spanier. Vielleicht dachtet ihr (ich dachte es jedenfalls), dass dieses Fiesta, Fiesta espanola!!!- Klischee in dieselbe Ecke gehört wie das der Argentinier, die alle den ganzen Tag Tango tanzen oder das der Bayern, die jeden Tag in Trachten rumlaufen (die Liste ist lang). Weit gefehlt! Was hier zelebriert wird, das übersteigt alles bisher dagewesen in meinem kurzen Leben. Alles. Von Mittwoch bis Samstag ist hier wirklich immer, immer was los. Und jeder geht weg. Und mit weggehen meine ich nicht das "Ja, lass uns mal am Mittwoch in die N8schicht/ ins Apollo gehen! Aber nicht zu lange, ich muss am Donnerstag echt noch was machen!", nein wenn hier weggegangen wird ("Vamos a salir!"), dann immer bis zum (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes!) bitteren Ende. Vor 2-3 Uhr sind die Bars und Clubs in etwa so leer wie eine Vorlesung ohne Anwesenheitspflicht über das Bewässerungssystem des alten Ägyptens freitagmorgens um 8 Uhr. Dann gehts los (gespielt wird alles. Eigentlich ist die Musik der aus den deutschen Clubs sehr ähnlich.), es wird voller und voller bis so gegen 5, dann ist der Siedepunkt erreicht, vor 6 geht keiner, wer was auf sich hält beibt mindestens bis halb 8, der harte Kern bleibt bis 9 oder 10. Du kriechst völlig fertig mit der Welt durch die Straßen, willst nur noch ins Bett, am Horizont schiebt sich die Sonne unaufhaltbar gen Firmament und du kommst an einem Club vorbei, vor dem sich eine Schlang bis auf die Straße erstreckt, bestehend aus jungen Leuten, die alle blendend drauf sind und sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, den "Abend" mal langsam ausklingen zu lassen. Und das machen manche wirklich von Mittwoch bis Samstag. Aber, ich habe meiner Mutter ja versprochen, lebendig und gesund wiederzukommen, deswegen kann ich das meiner Leber, meinem Hirn und anderen lebenswichtigen Organen einfach nicht zumuten. Aber ganz wird sie sich nicht verhindern lassen, die wilde Feierei. Und das ist auch gut so...
Der Tag danach ist- natürlich!- immer total im Arsch. Heute ist so ein Tag. Viel geht nicht...war beim Bäcker und hab Vokabeln gelernt. Mein Wortschatz vergrößert sich von Tag zu Tag. Und ich bin Gott sei Dank gezwungen, jeden Tag auf spansich zu kommunizieren, weil ja mit Maria und Marta zusammenwohne. Die beiden nehmen mich übrigens toller Weise oft mit, hab schon viel erlebt, war mit ihnen und ihren Freunden letztes Wochenende in La Coruna. Ansonsten nehmen mich die beiden oft mit zum Feiern. Am Mittwoch war ich dann als einziger Junge mit 8 Spanierinnen zusammen im neuen Film mit Julian Roberts, "come, rechaza, ama" oder so ähnlich. Das war die absolute Endstufe. Aber noch lackiere ich mir nicht die Nägel. Apropos: lackierte Nägel. Mit etwas Glück habe ich bald vielleicht die Chance, Cristiano Ronaldo und seine Gurkentruppe aus der spanischen Hauptstadt live zu sehen, wenn sie im Dezember nach La Coruna kommen. Hab gestern beim Bier (Estrella Galicia, eigentlich ganz lecker, hat allerdings 5,5%, knallt tierisch. Macht aber keinen so dollen Kater wie z.B. San Miguel) Kontakte geknüpft zu Kontakten der deutschen Botschaft hier in Spanien.
Was bleibt? Morgen hab ich meinen ersten Unitag. Directamente Einstufungstest für den Sprachkurs. Fühl mich fitt. Vermisse allerdings ein wenig meine Freunde aus Deutschland. Julian hat mich heute um halb 12 geweckt, er saß mit Anna im Paulanerzelt auf den Wiesn. Das war nett...da wäre ich auch gern gewesen...naja, hier ists auch cool. Wirklich, ich fühle mich hier sehr wohl. Trotz Regen, Cristiano Ronaldo und kaputter Waschmaschinen. So jetzt gehts aber auf in die Sportsbar. Gleich spielt Real gegen La Coruna...
Gerade in diesem Moment lasse ich die hier vergangene Zeit revue passieren. Was ist hängen geblieben? Was war wichtig? Nun, zunächst einmal kann ich es kaum glauben, dass schon 2 Wochen vergangen sind, seit ich in diese Wohnung in der Rúa San Pedro de Mezonzo eigezogen bin. Und ich fühle mich wirklich wohl. Auch, wenn vor 20 Minuten die Waschmaschine ausgefallen ist, was zur Folge hatte, dass die gesamte Küche unter Wasser stand. Doch nach einem kurzen aber intensiven Wischmob- Blues meinerseit ist das Gröbste jetzt wieder bereinigt, besser als das, die Küche ist sauberer als zuvor. Allerdings ist meine Wäsche z.T. immernoch dreckig. Was tun?
Egal, das alles interessiert euch alle wahrscheinlich einen feuchten Dreck (haha!). Zu meiner allgemeinen Verfassung: Der Herbst hat Einzug gehalten in Galicien. Und der Herbst in und um Santiago de Compostela ist mit "feucht" noch wirklich wohlwollend umschrieben. Es schüttet wie aus Eimern! Hört mir bloß auf mit Aachen! Das ist ein Witz gegen die nordspanischen Naturgewalten! Hab in diesen 3 Tagen Arche- Noah- Gedenkniederschlägen schon meinen ersten Regenschirm verschlissen. Denn zu dem schier endlos wirkenden Regen gesellt sich auch noch ein Wind, der dermaßen an dem Wandelnden rüttelt, dass dieser das Gefühl hat, Wind und Wasser kämen von allen Seiten (ist vielleicht auch so!?). Der bloße Gang zum Bäcker schürt die Aggressionen. Den modernen Sisyphos würden die Götter definitiv in Santiago de Compostela das Licht der Welt erblicken lassen.
Da lobt man sich die Stunden, die man gemütlich in einer hell erleuchteten Bar bei einem kühlen Bier totschlagen kann. Fatal: direkt neben meiner Wohnung, zwischen der Apotheke und der Jamonería (ein Laden nur für Schinken, in dem die Keulen zu dutzenden von der Decke hängen und die Straße mit einem unwiderstehlichen Geruch schwängern) ist eine eben solche Bar. Zuweilen wird dort auch Fußball gezeigt...
Apropos: Alkohol. Ein schwieriges Thema. Was mir am meisten zusetzt ist nicht etwa der Rioja, der hier zu dutzenden für nen kleinen Euro in sämtlichen Supermercados steht und vorzüglich schmeckt, auch nicht der Brandy, der jeden gut sortierten Alimentación- Laden hier in der Zona Nueva ziert. Es ist die ewige, ewige, unumgängliche Feierwut der Spanier. Vielleicht dachtet ihr (ich dachte es jedenfalls), dass dieses Fiesta, Fiesta espanola!!!- Klischee in dieselbe Ecke gehört wie das der Argentinier, die alle den ganzen Tag Tango tanzen oder das der Bayern, die jeden Tag in Trachten rumlaufen (die Liste ist lang). Weit gefehlt! Was hier zelebriert wird, das übersteigt alles bisher dagewesen in meinem kurzen Leben. Alles. Von Mittwoch bis Samstag ist hier wirklich immer, immer was los. Und jeder geht weg. Und mit weggehen meine ich nicht das "Ja, lass uns mal am Mittwoch in die N8schicht/ ins Apollo gehen! Aber nicht zu lange, ich muss am Donnerstag echt noch was machen!", nein wenn hier weggegangen wird ("Vamos a salir!"), dann immer bis zum (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes!) bitteren Ende. Vor 2-3 Uhr sind die Bars und Clubs in etwa so leer wie eine Vorlesung ohne Anwesenheitspflicht über das Bewässerungssystem des alten Ägyptens freitagmorgens um 8 Uhr. Dann gehts los (gespielt wird alles. Eigentlich ist die Musik der aus den deutschen Clubs sehr ähnlich.), es wird voller und voller bis so gegen 5, dann ist der Siedepunkt erreicht, vor 6 geht keiner, wer was auf sich hält beibt mindestens bis halb 8, der harte Kern bleibt bis 9 oder 10. Du kriechst völlig fertig mit der Welt durch die Straßen, willst nur noch ins Bett, am Horizont schiebt sich die Sonne unaufhaltbar gen Firmament und du kommst an einem Club vorbei, vor dem sich eine Schlang bis auf die Straße erstreckt, bestehend aus jungen Leuten, die alle blendend drauf sind und sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, den "Abend" mal langsam ausklingen zu lassen. Und das machen manche wirklich von Mittwoch bis Samstag. Aber, ich habe meiner Mutter ja versprochen, lebendig und gesund wiederzukommen, deswegen kann ich das meiner Leber, meinem Hirn und anderen lebenswichtigen Organen einfach nicht zumuten. Aber ganz wird sie sich nicht verhindern lassen, die wilde Feierei. Und das ist auch gut so...
Der Tag danach ist- natürlich!- immer total im Arsch. Heute ist so ein Tag. Viel geht nicht...war beim Bäcker und hab Vokabeln gelernt. Mein Wortschatz vergrößert sich von Tag zu Tag. Und ich bin Gott sei Dank gezwungen, jeden Tag auf spansich zu kommunizieren, weil ja mit Maria und Marta zusammenwohne. Die beiden nehmen mich übrigens toller Weise oft mit, hab schon viel erlebt, war mit ihnen und ihren Freunden letztes Wochenende in La Coruna. Ansonsten nehmen mich die beiden oft mit zum Feiern. Am Mittwoch war ich dann als einziger Junge mit 8 Spanierinnen zusammen im neuen Film mit Julian Roberts, "come, rechaza, ama" oder so ähnlich. Das war die absolute Endstufe. Aber noch lackiere ich mir nicht die Nägel. Apropos: lackierte Nägel. Mit etwas Glück habe ich bald vielleicht die Chance, Cristiano Ronaldo und seine Gurkentruppe aus der spanischen Hauptstadt live zu sehen, wenn sie im Dezember nach La Coruna kommen. Hab gestern beim Bier (Estrella Galicia, eigentlich ganz lecker, hat allerdings 5,5%, knallt tierisch. Macht aber keinen so dollen Kater wie z.B. San Miguel) Kontakte geknüpft zu Kontakten der deutschen Botschaft hier in Spanien.
Was bleibt? Morgen hab ich meinen ersten Unitag. Directamente Einstufungstest für den Sprachkurs. Fühl mich fitt. Vermisse allerdings ein wenig meine Freunde aus Deutschland. Julian hat mich heute um halb 12 geweckt, er saß mit Anna im Paulanerzelt auf den Wiesn. Das war nett...da wäre ich auch gern gewesen...naja, hier ists auch cool. Wirklich, ich fühle mich hier sehr wohl. Trotz Regen, Cristiano Ronaldo und kaputter Waschmaschinen. So jetzt gehts aber auf in die Sportsbar. Gleich spielt Real gegen La Coruna...
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