Montag, 1. November 2010

Alltag, nur anders

Sooo...liege im Bett, war grade mit den Erasmus- Leuten Fußball spielen (ist immer ein ganz lustiger Haufen aus aller Herren Länder...). Bin ziemlich kaputt. Hab aber im weißen Podolski- Trikot von 2006 unserem Land keine Schande bereitet, als Innenverteidiger. Die kulturellen Unterschiede der Länder und- vor allem- deren Einwohner lassen sich übrigens beim Fußball mit gemischten Mannschaften erstaunlich ausgeprägt beobachten. Die Deutschen z.B. sagen den andern immer, was sie zu tun haben (mit gestrecktem Arm gestikulierend, in einer Lautstärke und Schärfe als ginge es um die Verteidigung der Weihnachtspute, während sie demonstrativ in der Gegend rumstehen- "Räume zustellen" nannte man das in der Ära Völler beim Ramelow und co.), die Spanier fluchen auch dann, wenn ein gut getimter Flankenball über 40 Meter sein Ziel punktgenau erreicht, im Gegensatz zu den Japanern, die sich nie beschweren, nein, nie, auch nicht nach einer Blutgrätsche von hinten, bei der der Ball schon ca 7 Sekunden und 50 Meter weiter getreten wurde (ich war's nicht!) und zu guter Letzt die Italiener, die selbst beim Calcio mit Zierschal und Baumwolljäckchen auflaufen und über die Richtigkeit eines Einwurfs so ausführlich und lautstark diskutieren wie unsereiner höchstens nach einem Auffahrunfall in einer verkehrsberuhigten Zone.
Apropos: Sport. Ich habe nach dem Raubbau der letzten Wochen beschlossen, meinem Körper wieder Gutes zu tun. Viel Salat, viel Fisch, viel Sport. Ich will wöchentlich jetzt mindestens 2-3 Mal joggen gehn. Den Anfang machte ich letzte Woche, an einem strahlenden Herbsttag im Park bei mir um die Ecke. Mal gucken, was ich noch so auf dem Kasten hatte nach 8 Wochen exzessivem Nichtstun (im sportlichen Sinne). Nach 10 Minuten stellte ich fest, dass aller (Neu-)Anfang schwer ist. Nach 20 Minuten, das schwöre ich, konnte ich meinen Körper zu mir sprechen hören: "Hast du wirklich geglaubt, du kommst dermaßen ungestraft davon? All die Liter Biere, Rotwein, Cocktails? All die Feierei? Du beschissener, kleiner Alki! Quäl dich, du Sau!". Als mich nach 30 Minuten eine ca. 80- jährige Dame im vorbei- "joggen"/"kriechen" so mitleidend ansah wie einen alten, kranken Hund, den man möglichst bald einschläfern sollte beschloss ich, es für den Tag gut sein zu lassen und morgen wiederzukommen, "um den Trainingseffekt zu erzielen!".

Vergangenes Wochenende war ich übrigens in...einer Stadt. Hab mich ganz spontan dazu entschlossen, ein kleines Rätsel draus zu machen. Hoffe, ihr seid dem gewachsen. Wem das zu nervig ist: bitte einfach weiter nach unten scrollen!

1.: Die Stadt liegt am Antlantik auf der iberischen Halbinsel.
2.: Sie liegt sowohl an einem Fluss als auch am Meer (Flussmündung ist das Fachwort, glaube ich)
3.: Hier fand ein Halbfinale bei der EM 2004 statt, im selben Jahr wurde ein Club dieser Stadt Championsleague- Sieger
4.: Die Sprache der Einwohner klingt wie schlecht ausgesprochenes Kastilisch
5.: Die Stadt ist weltberühmt für ihren hochprozentigen, lieblichen Dessertwein

Wenn ihr's jetzt immernoch nicht wisst, lest einfach den letzten Abschnitt des vorigen Eintrags und gebt anschließend euer Abitur zurück.
An einem Freitag- Nachmittag gings los, ab in den Bus mit 40 andern Erasmus- Spaßvögeln, ab entlang der Atlantikküste rüber nach Portugal. Die Stimmung im Bus schwankte zwischen Kaffeekränzchen und Junggesellenabschied. Doch ehe die osteuropäische Fraktion an Bord die Lötkolben rausholen konnte, waren wir auch schon da. Wir hatten Bomben- zimmer, fast wie im Hotel. Man verabredete sich zum gemeinsamen Abendessen in der Stadt, danach wurde zur Altstadtinvasion aufgerufen. Was danach folgte, kam mir irendwie bekannt vor aus Santiago. Mit dem einzigen Unterschied, dass man seine Medizin hier mit "um cerveja, faz favor!" bekam. Ein Spanier hier muss sich also irgendwie so fühlen wie ein Deutscher im Schwabenland. Morgens um 6 waren wir dann auch in der Poofe, denn der Tag sollte einiges zu bieten haben: unter anderem eine Portweinprobe.
Um die Zeit dahin zu überbrücken gingen wir am Rio Douro spazieren (der idyllische Panoramablick über den Fluss auf die bebauten Hänge des anderen Ufers ist für Porto das, was das Colosseum für Rom, Die Copacabana für Rio, der Steinbruch für Oberkassel, die Skyline für Manhattan und das Bayerwerk für Leverkusen ist). Dort aßen wir directamente am Fluss zu mittag, ehe wir uns aufmachten zur Weinprobe. Wir hörten ca 10 Minuten etwas über die Geschichte des Portweins (http://de.wikipedia.org/wiki/Portwein), ehe eine zweistündige Weinprobe einsetzte. Das Fazit nach unzähligen Feldversuchen meinerseits lautete: Der Wein taugt nicht zum Konsum im größeren Stil (zu süß, zu likörig, Erbrechensgefahr), ist aber ganz okay als Nachtischersatz.
Den Rest des Tages schlenderten wir noch durch unzählige Straßen, besuchten Bars, Parks und ein Reastaurant, ehe wir (irgendwie war ich immer der einzige Kerl mit lauter Mädels...hat vor und Nachteil. Kennt man ja.) in einer Kneipe um die Ecke den Abend ruhig ausklingen ließen.

Am Sonntagmorgen gönnten wir uns ein Riesenfrühstück für 2,50 pP, ehe es dann um 14 Uhr Richtung Santiago weitergehen sollte. als wir dann um 15 Uhr aufbrachen, ließ der Busfahrer uns zu Teil werden, dass wir noch kurz am Estadio Dragao vorbeifahren würden (Drachenstadion, Heimstätte des F.C. Porto, d.Red.). Es fehlte nicht viel und ich hätte ihm die Füße geküsst. Es war ein Traum, das Stadion plus Fanshop, wo es wirklich alles gab! Die Zeit verging wie im Flug, und als ich zum Bus zurückkehrte, stellte ich bestürzt fest, dass alle, Busfahrer inklusive, nur auf mich gewartet hatten. Betreten zwängte ich mich durch den Bus zu meinem Platz. Ich spürte die Blicke auf meinem Rücken haften. Das Mädchen 2 Plätze neben mir machte keinen Hehl aus ihrer Verachtung (für mich? Für den Fußball? Uns beide?). Ich hätte nie dedacht, dass jemand mit so einer schwachen Blase so böse gucken kann... .
Die Laune im Bus war aber nicht nur meinetwegen eher im Keller, das lag vor allem daran, dass der Busfahrer sich gefühlte 39 Mal verfuhr und fast alle gestern noch draußen gewesen waren. Jedenfalls waren wir alle heilfroh und totmüde, als wir mit 2- stündiger Verspätung Santiago erreichten.

Die Woche verging wie im Flug, dieses Wochenende war dann Halloween dran. Darauf gingen die Spanier hier irgendwie so krass ab wie Jürgen Klopp nach Meisterschaftsgewinn auf Extasy. Verkleiden, Partys, das volle Programm. Die Frage sei erlaubt: Muss man eigentlich jeden Scheiß mitmachen? Nicht, dass das in Deutschland mitlerweile anders wäre...trotzdem oder gerade deswegen hoffe ich, dass wenn ich ein alter Opa bin, die Kleinen immernoch mit Laternen zum Sankt Martins- Singen bei mir klingeln werden und nicht zum modische- dämlichen "süßes, sonst gibts Saures!". Falls dem so sein sollte, kriegen sie Jägermeister von mir. Oder Portwein.
So, das war mal wieder mein Wort zum Sonntag. Bin übrigens Dankbar für jede Art von Fragen, Vorschlägen und Kritik. Falls überhaupt irgendjemand den Bums hier liest.
Falls das bei Vito und Laura der Fall sein sollte: Ihr beiden, hab mich echt gefreut, dass ihr kommt! Zähle die Tage!

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