Ich weiß es nicht. Es ist das eingetreten, von dem ich mir in den letzten Wochen nicht vorstellen konnte, dass es mal passieren würde. Und nun ist es eingetreten.
Der Alltag ist da. Mit seinen schweren, einschläfernden Schwingen der Montonie legt er sich über mein Studentenleben hier in Santiago und nimmt mir die Fähigkeit, Neues zu probieren, zu erleben oder zu spüren. Er regiert in den Straßen und Gassen dieser Stadt, genau wie der Regen, der nun seit Tagen vom Himmel fällt und bei dem es mir schwer fällt, daran zu glauben, dass er irgendwann einmal versiegt.
Meine lieben Freunde, ihr merkt, die Melancholie hat mich wieder. Aber wer mich kennt, ein wenig mehr vielleicht, weiß, dass dies ein Wesenszug ist -Fluch und Segen zugleich- den ich schon immer an mir hatte und der Teil meiner Persönlichkeit ist. Aber warum soll ich euch auch von Dingen berichten, die in dieser Weise nicht passiert sind? Ich denke, diejenigen, die unterhalten werden wollen haben schon vor Woche aufgehört, diese Seite aufzurufen. Und die anderen bekommen einen Auszug aus meinem Leben hier in Santiago de Compostela, das jetzt schon seit über 10 Wochen andauert.
Wenn ihr das gerade geschriebene lest, kommt ihr vielleicht auf die Idee, dass es mir nicht gut ginge. Das ist nicht richtig. Ich habe eine tolle Zeit mit tollen Leuten. Leute, mit denen ich jetzt im Paralleluniversum Erasmusjahr vieles intensiv erlebe, Dinge, die ich anders gar nicht in Erfahrung bringen könnte, außer hier an diesem Ort mit diesen Leuten. Das ist schön, doch umso schmerzlicher ist es, wenn man sich bewusst macht, das auch diese Zeit vergänglich ist. Ich weiß genau, dass ich nach diesem Jahr den Kontakt zu den Leuten, mit denen ich hier soviel teile, verlieren werde. So hart das ist, jetzt sind wir uns sehr wichtig, am Ende werden wir uns egal sein. Das hat nichts zu tun mit räumlicher Trennung. Es ist einfach eine Zeit, völlig surreal und vernab von jeglichem Streben nach dem Altbekannten in Deutschland. Eben ein Paralleluniversum, zu dessen Aufgabe wir bald alle gezwungen sein werden. Eben deshalb versuche ich die Zeit hier so intensiv wie möglich zu verbringen.
Es hat sich eine Monotonie entwickelt, angetrieben von den Normen, der Uni, aber vor allem anderen von unseren eigenen Wünschen und Sehnsüchten. Wir machen Woche für Woche das gleiche, weil es toll ist. Ich habe nicht das Gefühl, Zeit zu vergeuden oder etwas zu verpassen. Wir sorgen hier alle dafür, dass wir viel unternehmen und viel zusammen sind. Aber euch davon zu berichten wäre deshalb sinnlos und plumb, weil ihr es nicht nachvollziehen könnt, eben weil ihr nicht dabei seid. Es ist wie ein Wetterbericht für die kanarischen Inseln. Immer sonnig, immer warm, immer toll. Aber echt monoton. Habt ihr den Film L'Auberge Espagnole gesehen? Ein Kracher. Aber er handelt nur von ausgesuchten Sequenzen. Intensive Erlebnisse. Auch in Barcelona damals gab es einen Alltag, dem Xavier sich beugen musste. Und trotzdem hatte er so eine tolle Zeit, präsentiert in 90 Minuten Spielfilm. Ach, wie sehr ich ihn um seine süße (Ex-) Freundin, gespielt von Audrey Tautou beneide. Und um den Mut, den von seinem Vater arrangierten Job hinzuschmeißen und stattdessen Schriftsteller zu werden ("Je veux écrire des livres!").
Nein, das, was meine Melacholie aufleben lässt ist die Jahreszeit. Es weihnachtet sehr. Das Fest der Nächstenliebe rückt näher. Ich weiß, ihr haltet nicht viel von Jesus. Und viele von euch Freunden verachten Weihnachten als ein heuchlerisches Kommerzritual. Bei zweiterem bin ich mit euch d'accord. Alldings verbinde ich Vorweihnachtszeit immer mit geselligem Zusammensein mit Familie und Freuden. Ob mit meiner Fam am Frühstsückstisch, sonntags, wenn am Adventskranz wieder eine Kerze angezündet wird, in Aachen saufend an Janniks Glühweinstand, wenn er grad mal 5 freie Minuten hat, mit Julian am Wochenende im geschmückten Irish Pub oder sonst wo. Ich denke hier an alle von euch, mal mehr, mal weniger aber jeder einzelne ist immer gegenwärtig im Hinteren meiner Gedanken, um dann plötzlich und unangekündigt nach vorne zu stoplern und mein Gesicht mit einem breiten Grinsen zu überziehen, sodass Umstehende sich fragen, was es denn jetzt hier zu lachen gibt.
Und wenn man dann mal zwangsweise alleine ist mit seinen Gedanken und dann abschweift und sich fragt, was die zuhause wohl grade machen, vermisse ich euch und dann versinkt man schonmal in einem Meer ausMelancholie. Und am Ende ertappt man sich dabei, wie man bei Youtube nach deutscher Weihnachtsmusik sucht und sich bei Google Earth Bilder von Bonn (Oberkassel) und Aachen anschaut.
Freue mich daher schon auf Laura und Vito, die mich am Sonntag mit ihrem Besuch beehren werden. Auf alle anderen natürlich auch, bin ja fast 3 Wochen in Alemania, ich hoffe wirklich, dass ich euch alle zu Gesicht bekomme!
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Montag, 1. November 2010
Alltag, nur anders
Sooo...liege im Bett, war grade mit den Erasmus- Leuten Fußball spielen (ist immer ein ganz lustiger Haufen aus aller Herren Länder...). Bin ziemlich kaputt. Hab aber im weißen Podolski- Trikot von 2006 unserem Land keine Schande bereitet, als Innenverteidiger. Die kulturellen Unterschiede der Länder und- vor allem- deren Einwohner lassen sich übrigens beim Fußball mit gemischten Mannschaften erstaunlich ausgeprägt beobachten. Die Deutschen z.B. sagen den andern immer, was sie zu tun haben (mit gestrecktem Arm gestikulierend, in einer Lautstärke und Schärfe als ginge es um die Verteidigung der Weihnachtspute, während sie demonstrativ in der Gegend rumstehen- "Räume zustellen" nannte man das in der Ära Völler beim Ramelow und co.), die Spanier fluchen auch dann, wenn ein gut getimter Flankenball über 40 Meter sein Ziel punktgenau erreicht, im Gegensatz zu den Japanern, die sich nie beschweren, nein, nie, auch nicht nach einer Blutgrätsche von hinten, bei der der Ball schon ca 7 Sekunden und 50 Meter weiter getreten wurde (ich war's nicht!) und zu guter Letzt die Italiener, die selbst beim Calcio mit Zierschal und Baumwolljäckchen auflaufen und über die Richtigkeit eines Einwurfs so ausführlich und lautstark diskutieren wie unsereiner höchstens nach einem Auffahrunfall in einer verkehrsberuhigten Zone.
Apropos: Sport. Ich habe nach dem Raubbau der letzten Wochen beschlossen, meinem Körper wieder Gutes zu tun. Viel Salat, viel Fisch, viel Sport. Ich will wöchentlich jetzt mindestens 2-3 Mal joggen gehn. Den Anfang machte ich letzte Woche, an einem strahlenden Herbsttag im Park bei mir um die Ecke. Mal gucken, was ich noch so auf dem Kasten hatte nach 8 Wochen exzessivem Nichtstun (im sportlichen Sinne). Nach 10 Minuten stellte ich fest, dass aller (Neu-)Anfang schwer ist. Nach 20 Minuten, das schwöre ich, konnte ich meinen Körper zu mir sprechen hören: "Hast du wirklich geglaubt, du kommst dermaßen ungestraft davon? All die Liter Biere, Rotwein, Cocktails? All die Feierei? Du beschissener, kleiner Alki! Quäl dich, du Sau!". Als mich nach 30 Minuten eine ca. 80- jährige Dame im vorbei- "joggen"/"kriechen" so mitleidend ansah wie einen alten, kranken Hund, den man möglichst bald einschläfern sollte beschloss ich, es für den Tag gut sein zu lassen und morgen wiederzukommen, "um den Trainingseffekt zu erzielen!".
Vergangenes Wochenende war ich übrigens in...einer Stadt. Hab mich ganz spontan dazu entschlossen, ein kleines Rätsel draus zu machen. Hoffe, ihr seid dem gewachsen. Wem das zu nervig ist: bitte einfach weiter nach unten scrollen!
1.: Die Stadt liegt am Antlantik auf der iberischen Halbinsel.
2.: Sie liegt sowohl an einem Fluss als auch am Meer (Flussmündung ist das Fachwort, glaube ich)
3.: Hier fand ein Halbfinale bei der EM 2004 statt, im selben Jahr wurde ein Club dieser Stadt Championsleague- Sieger
4.: Die Sprache der Einwohner klingt wie schlecht ausgesprochenes Kastilisch
5.: Die Stadt ist weltberühmt für ihren hochprozentigen, lieblichen Dessertwein
Wenn ihr's jetzt immernoch nicht wisst, lest einfach den letzten Abschnitt des vorigen Eintrags und gebt anschließend euer Abitur zurück.
An einem Freitag- Nachmittag gings los, ab in den Bus mit 40 andern Erasmus- Spaßvögeln, ab entlang der Atlantikküste rüber nach Portugal. Die Stimmung im Bus schwankte zwischen Kaffeekränzchen und Junggesellenabschied. Doch ehe die osteuropäische Fraktion an Bord die Lötkolben rausholen konnte, waren wir auch schon da. Wir hatten Bomben- zimmer, fast wie im Hotel. Man verabredete sich zum gemeinsamen Abendessen in der Stadt, danach wurde zur Altstadtinvasion aufgerufen. Was danach folgte, kam mir irendwie bekannt vor aus Santiago. Mit dem einzigen Unterschied, dass man seine Medizin hier mit "um cerveja, faz favor!" bekam. Ein Spanier hier muss sich also irgendwie so fühlen wie ein Deutscher im Schwabenland. Morgens um 6 waren wir dann auch in der Poofe, denn der Tag sollte einiges zu bieten haben: unter anderem eine Portweinprobe.
Um die Zeit dahin zu überbrücken gingen wir am Rio Douro spazieren (der idyllische Panoramablick über den Fluss auf die bebauten Hänge des anderen Ufers ist für Porto das, was das Colosseum für Rom, Die Copacabana für Rio, der Steinbruch für Oberkassel, die Skyline für Manhattan und das Bayerwerk für Leverkusen ist). Dort aßen wir directamente am Fluss zu mittag, ehe wir uns aufmachten zur Weinprobe. Wir hörten ca 10 Minuten etwas über die Geschichte des Portweins (http://de.wikipedia.org/wiki/Portwein), ehe eine zweistündige Weinprobe einsetzte. Das Fazit nach unzähligen Feldversuchen meinerseits lautete: Der Wein taugt nicht zum Konsum im größeren Stil (zu süß, zu likörig, Erbrechensgefahr), ist aber ganz okay als Nachtischersatz.
Den Rest des Tages schlenderten wir noch durch unzählige Straßen, besuchten Bars, Parks und ein Reastaurant, ehe wir (irgendwie war ich immer der einzige Kerl mit lauter Mädels...hat vor und Nachteil. Kennt man ja.) in einer Kneipe um die Ecke den Abend ruhig ausklingen ließen.
Am Sonntagmorgen gönnten wir uns ein Riesenfrühstück für 2,50 pP, ehe es dann um 14 Uhr Richtung Santiago weitergehen sollte. als wir dann um 15 Uhr aufbrachen, ließ der Busfahrer uns zu Teil werden, dass wir noch kurz am Estadio Dragao vorbeifahren würden (Drachenstadion, Heimstätte des F.C. Porto, d.Red.). Es fehlte nicht viel und ich hätte ihm die Füße geküsst. Es war ein Traum, das Stadion plus Fanshop, wo es wirklich alles gab! Die Zeit verging wie im Flug, und als ich zum Bus zurückkehrte, stellte ich bestürzt fest, dass alle, Busfahrer inklusive, nur auf mich gewartet hatten. Betreten zwängte ich mich durch den Bus zu meinem Platz. Ich spürte die Blicke auf meinem Rücken haften. Das Mädchen 2 Plätze neben mir machte keinen Hehl aus ihrer Verachtung (für mich? Für den Fußball? Uns beide?). Ich hätte nie dedacht, dass jemand mit so einer schwachen Blase so böse gucken kann... .
Die Laune im Bus war aber nicht nur meinetwegen eher im Keller, das lag vor allem daran, dass der Busfahrer sich gefühlte 39 Mal verfuhr und fast alle gestern noch draußen gewesen waren. Jedenfalls waren wir alle heilfroh und totmüde, als wir mit 2- stündiger Verspätung Santiago erreichten.
Die Woche verging wie im Flug, dieses Wochenende war dann Halloween dran. Darauf gingen die Spanier hier irgendwie so krass ab wie Jürgen Klopp nach Meisterschaftsgewinn auf Extasy. Verkleiden, Partys, das volle Programm. Die Frage sei erlaubt: Muss man eigentlich jeden Scheiß mitmachen? Nicht, dass das in Deutschland mitlerweile anders wäre...trotzdem oder gerade deswegen hoffe ich, dass wenn ich ein alter Opa bin, die Kleinen immernoch mit Laternen zum Sankt Martins- Singen bei mir klingeln werden und nicht zum modische- dämlichen "süßes, sonst gibts Saures!". Falls dem so sein sollte, kriegen sie Jägermeister von mir. Oder Portwein.
So, das war mal wieder mein Wort zum Sonntag. Bin übrigens Dankbar für jede Art von Fragen, Vorschlägen und Kritik. Falls überhaupt irgendjemand den Bums hier liest.
Falls das bei Vito und Laura der Fall sein sollte: Ihr beiden, hab mich echt gefreut, dass ihr kommt! Zähle die Tage!
Apropos: Sport. Ich habe nach dem Raubbau der letzten Wochen beschlossen, meinem Körper wieder Gutes zu tun. Viel Salat, viel Fisch, viel Sport. Ich will wöchentlich jetzt mindestens 2-3 Mal joggen gehn. Den Anfang machte ich letzte Woche, an einem strahlenden Herbsttag im Park bei mir um die Ecke. Mal gucken, was ich noch so auf dem Kasten hatte nach 8 Wochen exzessivem Nichtstun (im sportlichen Sinne). Nach 10 Minuten stellte ich fest, dass aller (Neu-)Anfang schwer ist. Nach 20 Minuten, das schwöre ich, konnte ich meinen Körper zu mir sprechen hören: "Hast du wirklich geglaubt, du kommst dermaßen ungestraft davon? All die Liter Biere, Rotwein, Cocktails? All die Feierei? Du beschissener, kleiner Alki! Quäl dich, du Sau!". Als mich nach 30 Minuten eine ca. 80- jährige Dame im vorbei- "joggen"/"kriechen" so mitleidend ansah wie einen alten, kranken Hund, den man möglichst bald einschläfern sollte beschloss ich, es für den Tag gut sein zu lassen und morgen wiederzukommen, "um den Trainingseffekt zu erzielen!".
Vergangenes Wochenende war ich übrigens in...einer Stadt. Hab mich ganz spontan dazu entschlossen, ein kleines Rätsel draus zu machen. Hoffe, ihr seid dem gewachsen. Wem das zu nervig ist: bitte einfach weiter nach unten scrollen!
1.: Die Stadt liegt am Antlantik auf der iberischen Halbinsel.
2.: Sie liegt sowohl an einem Fluss als auch am Meer (Flussmündung ist das Fachwort, glaube ich)
3.: Hier fand ein Halbfinale bei der EM 2004 statt, im selben Jahr wurde ein Club dieser Stadt Championsleague- Sieger
4.: Die Sprache der Einwohner klingt wie schlecht ausgesprochenes Kastilisch
5.: Die Stadt ist weltberühmt für ihren hochprozentigen, lieblichen Dessertwein
Wenn ihr's jetzt immernoch nicht wisst, lest einfach den letzten Abschnitt des vorigen Eintrags und gebt anschließend euer Abitur zurück.
An einem Freitag- Nachmittag gings los, ab in den Bus mit 40 andern Erasmus- Spaßvögeln, ab entlang der Atlantikküste rüber nach Portugal. Die Stimmung im Bus schwankte zwischen Kaffeekränzchen und Junggesellenabschied. Doch ehe die osteuropäische Fraktion an Bord die Lötkolben rausholen konnte, waren wir auch schon da. Wir hatten Bomben- zimmer, fast wie im Hotel. Man verabredete sich zum gemeinsamen Abendessen in der Stadt, danach wurde zur Altstadtinvasion aufgerufen. Was danach folgte, kam mir irendwie bekannt vor aus Santiago. Mit dem einzigen Unterschied, dass man seine Medizin hier mit "um cerveja, faz favor!" bekam. Ein Spanier hier muss sich also irgendwie so fühlen wie ein Deutscher im Schwabenland. Morgens um 6 waren wir dann auch in der Poofe, denn der Tag sollte einiges zu bieten haben: unter anderem eine Portweinprobe.
Um die Zeit dahin zu überbrücken gingen wir am Rio Douro spazieren (der idyllische Panoramablick über den Fluss auf die bebauten Hänge des anderen Ufers ist für Porto das, was das Colosseum für Rom, Die Copacabana für Rio, der Steinbruch für Oberkassel, die Skyline für Manhattan und das Bayerwerk für Leverkusen ist). Dort aßen wir directamente am Fluss zu mittag, ehe wir uns aufmachten zur Weinprobe. Wir hörten ca 10 Minuten etwas über die Geschichte des Portweins (http://de.wikipedia.org/wiki/Portwein), ehe eine zweistündige Weinprobe einsetzte. Das Fazit nach unzähligen Feldversuchen meinerseits lautete: Der Wein taugt nicht zum Konsum im größeren Stil (zu süß, zu likörig, Erbrechensgefahr), ist aber ganz okay als Nachtischersatz.
Den Rest des Tages schlenderten wir noch durch unzählige Straßen, besuchten Bars, Parks und ein Reastaurant, ehe wir (irgendwie war ich immer der einzige Kerl mit lauter Mädels...hat vor und Nachteil. Kennt man ja.) in einer Kneipe um die Ecke den Abend ruhig ausklingen ließen.
Am Sonntagmorgen gönnten wir uns ein Riesenfrühstück für 2,50 pP, ehe es dann um 14 Uhr Richtung Santiago weitergehen sollte. als wir dann um 15 Uhr aufbrachen, ließ der Busfahrer uns zu Teil werden, dass wir noch kurz am Estadio Dragao vorbeifahren würden (Drachenstadion, Heimstätte des F.C. Porto, d.Red.). Es fehlte nicht viel und ich hätte ihm die Füße geküsst. Es war ein Traum, das Stadion plus Fanshop, wo es wirklich alles gab! Die Zeit verging wie im Flug, und als ich zum Bus zurückkehrte, stellte ich bestürzt fest, dass alle, Busfahrer inklusive, nur auf mich gewartet hatten. Betreten zwängte ich mich durch den Bus zu meinem Platz. Ich spürte die Blicke auf meinem Rücken haften. Das Mädchen 2 Plätze neben mir machte keinen Hehl aus ihrer Verachtung (für mich? Für den Fußball? Uns beide?). Ich hätte nie dedacht, dass jemand mit so einer schwachen Blase so böse gucken kann... .
Die Laune im Bus war aber nicht nur meinetwegen eher im Keller, das lag vor allem daran, dass der Busfahrer sich gefühlte 39 Mal verfuhr und fast alle gestern noch draußen gewesen waren. Jedenfalls waren wir alle heilfroh und totmüde, als wir mit 2- stündiger Verspätung Santiago erreichten.
Die Woche verging wie im Flug, dieses Wochenende war dann Halloween dran. Darauf gingen die Spanier hier irgendwie so krass ab wie Jürgen Klopp nach Meisterschaftsgewinn auf Extasy. Verkleiden, Partys, das volle Programm. Die Frage sei erlaubt: Muss man eigentlich jeden Scheiß mitmachen? Nicht, dass das in Deutschland mitlerweile anders wäre...trotzdem oder gerade deswegen hoffe ich, dass wenn ich ein alter Opa bin, die Kleinen immernoch mit Laternen zum Sankt Martins- Singen bei mir klingeln werden und nicht zum modische- dämlichen "süßes, sonst gibts Saures!". Falls dem so sein sollte, kriegen sie Jägermeister von mir. Oder Portwein.
So, das war mal wieder mein Wort zum Sonntag. Bin übrigens Dankbar für jede Art von Fragen, Vorschlägen und Kritik. Falls überhaupt irgendjemand den Bums hier liest.
Falls das bei Vito und Laura der Fall sein sollte: Ihr beiden, hab mich echt gefreut, dass ihr kommt! Zähle die Tage!
Montag, 18. Oktober 2010
Antrag auf Erteilung eines Antragformulars oder: die Suche nach dem Passierschein A38
Liebe Freunde,
endlich finde ich wieder Zeit, euch zu schreiben. Ich finde es so in den Abständen (ca. 2 Wochen) eigentlich ganz gut, so kommt in jedem Eintrag (hoffentlich) etwas sinnvolles vor und ihr seid nicht übersättigt durch meine Gedankenströme.
Also, wo fang ich an? Vielleicht bei den Tapas! Wir (selbsternannte Spezialisten auf diesem Gebiet) haben die beste Tapasbar in Santiago de Compostela gefunden; es ist das Caballo Blanco. Für die Wahl einer solchen haben wir verschiedene Kriterien erlesen wie Preis für eine caña (ein Glas Bier), die dazukommenden Tapas, die Atmosphäre (wo, wie voll, Einrichtung) und die Freundlichkeit und Attraktivität der Kellnerin. Das Caballo Blanco konnte vor allem in den Kategorien Tapas (viel und sehr lecker), Preis (1,50/Glas), Lage und Freundlichkeit punkten. Auf Platz 2, knapp dahinter folgt das Casa Pepe, welches in den anderen Kategorien recht ordentlich abschneidet. Praktisch ist, dass die beiden Bars nur einen Urinstrahl (ca 20 Meter) auseinanderliegen. Heute abend ists wieder soweit. Vueltita de Tapas...ya me hago mucha ilusión!
Gestern war ich beim Fußball in La Coruña. Bei Deportivc wollte ich mich mal rantasten an die Weltmeisterliga. Abstiegsduell gegen Osasuna. Depo ist diese Saison noch ohne Sieg, sie sind Vorletzter und das Spiel gegen den Club aus dem Mittelfeld der Liga wurde zu einem Spiel, für das der Coach extra einen Psychologen ins Training integriert hatte.
Ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht war vom Spiel und drumherum. Bis 90 Minuten vor Spielbeginn war das Viertel um das (direkt am Meer gelegene) Stadion wie ausgestorben, die Kartenpreise waren gesalzen (keine Stehplätze, Sitzplätze ab 25 Euro) und es kamen nur ca. 20.000 Leute, obgleich der hohen Transzendenz dieses Spiels. So etwas würde es in Köln oder Frankfurt, wo seit Jahren kein attraktiver und erfolgreicher Fußball mehr gespielt wird nicht geben. Irgendwie ist die Bundesliga doch die beste Liga der Welt (Sorry Nino!).
Naja, wenigstens schien die Sonne und es wurde laut supportet (die Chants gleichen denen aus den deutschen Kurven in erstaunlich hohem Maße). Jedoch wollte es Deportivo mit dem Tore- schießen eher locker angehen lassen an diesem sonnigen Nachmittag. Trotz einstündiger Überzahl (Rot wegen Stinkefingers! Dass es sowas noch gibt....herrlich!) brachten die Blau- Weißen die Kugel nicht über die Kreidelinie. Die Stürmer waren schlicht unfähig. Eine Manschaft voller Gomezes (dachte ich, bis ich das Spiel gegen Hannover gesehen hab...). Ich suchte in den Gesichtern um mich herum nach etwas, was Anlass zur Hoffnung auf Besserung innherhalb der laufenden 90 Minuten geben könnte. Doch ich fand nichts. Leere, Resignation, Enttäuschung alla "wieder ein Sonntagnachmittag fürn Arsch!". Eigentlich war es fast wie in Köln. Leider. Naja, trotzdem war es ein wunderschöner, golden- herbstlicher Sonntagnachmittag, endlich wieder Fußball!
Heute morgen Dann stellte ich mir den Wecker auf sportliche 7 Uhr (morgens!), um um 8 Uhr beim Ausländeramt in Santiago de Compostela zu erscheinen. Warum? Darum: Um hier Sport in einer Halle machen zu können, muss man (logischer Weise) Geld bezahlen. Dieses kann man aber nicht in bar tun, sondern muss es überweisen (1). Daher muss man hier ein Konto eröffnen (2), was eigentlich auch noch nicht so richtig nach Problem klingt, es ist kostenfrei und kann jeder Zeit wieder gekündigt werden.
Also, ich in der Bank. Erstmal ein Zettelchen mit Nummer drauf ziehen. Ohne geht hier nämlich gar nichts. Nicht mal an der Fischtheke. 20 Minuten später war ich dann dran:
"Ich würde hier gerne ein Konto eröffnen!"
Typin: "Da brauchen Sie ein Dokument, welches belegt, dass Sie hier eine Wohnung haben!"
Ich:"Hmm ok. Wo krieg ich das denn?"
Sie: "Bei der zuständigen Behörde (3). Wo das ist, weiß ich nicht."
Ich: "Ok, danke."
Ab zum Rathhaus (4), von da zum Ausländermeldeamt (siehe: 3). Wunderbar, hatte sogar noch auf um 1 Uhr mittags. Ich betrete das Gebäude, wähne mich dem Formular, ich nenne es jetzt einfach mal "Passierschein A38", schon ganz nahe, da werde ich vom Beamten am Schalter, die Seelenruhe in Person mit Cigarette und Kaffee, von allen Illusionen befreit. "Was ich denn hier wolle?"- Meinen Spruch kannte ich da schon längst auswendig. "Ja. Da sind sie hier richtig. Jetzt müssten Sie eigentlich ein Zettelchen mit Nümmerchen drauf ziehen. Problem: Uns sind die Zettelchen ausgegangen. Kommen Sie doch morgen früh nochmal wieder!" Arrrgl...
Heute morgen also, 7 Uhr. Aufstehn, unter die Dusche quälen. 8 Uhr, ich steh vor der Kaschemme. Herbstliche Kälte kündigt den Winter an. Mit mir warten ca. 50 andere Leute, dass der Bums endlich geöffnet wird. Um 9 Uhr dann ist es endlich soweit. Die Pforten öffnen sich. Das beste: ich kriege endlich mein Zettelchen mit Nümmerchen drauf. 17. Eine geschlagene Stunde später, ich bin kurz vorm Einschlafen, bin ich endlich an der Reihe. Mein Anliegen wird bearbeitet von einem Kollegen, der aussieht als ob er schon seit dem Aufstehen auf die Mittagspause hinarbeiten würde.
"Ja. Okay, verstehe ich!", nuschelt er und ich bin fest davon überzeugt, den Schein bald in Empfang nehmen zu dürfen. Dann entsteht eine unangenehme Pause.
"Allerdings..."- Pause- "...müssen sie dazu erstmal dieses Formular hier (er hält mir ein Blatt Papier unter die Nase) ausfüllen. Und dann nochmal wiederkommen."(5)
Was für ein Saftladen!!!! Ich will doch nur Sport machen!!!! F***t euch doch, ihr sch*** Beamtensch***ne!
Also, jetzt wisst ihr auch, was ich morgen um 7 Uhr mache...
Die light- Version dieses kafkaesken Prozederes stellte übrigens mein Antrag aus Immatrikulation dar. Die spanische Bürokratie raubt mir den letzten Nerv!
Jetzt bin ich müde und möchte schlafen, Schuld der spanischen "Ämter", bei denen die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, nicht etwa wegen des übersteigerten Gefeieres. Eines allerdings sollte mich nachdenklich stimmen: irgendwie grüßen mich in letzter Zeit wildfremde Menschen in der Stadt. Menschen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen haben will. Vorgestern gehe ich eiligen Schrittes durch die Straßen, überquere eine Ampel, da zieht mich ein spanischer Mitzwanziger am Arm. Schockiert starrte ich ihn an. Er zurück. Ich dachte, jetzt ist es soweit. Er haut mir eine rein, weil ein paar deutsche Idioten ihm den Heimaturlaub auf Mallorca versaut haben, indem sie ihn nachts nicht schlafen ließen und tagsüber am Strand auf sein Handtuch kotzten. Weit gefehlt.
Er: "Hola Robert, wie gehts, was machst du hier?"
Ich: "Ehh...hi. Ich...bin auf dem Weg nach Hause. Vom Enkaufen! Und du?"
Er: "Ich besuche meine Freundin hier. Mann war das eine harte Nacht am Donnerstag. Du hattest auch Spaß, oder? Warst du in der Uni am Freitag?"
Ich: "Nein. Du?"
Er: "Haha, nein, du weißt doch, dass ich nicht mehr zur Uni gehe!"
Ich: "Mhhm...okay. Ich muss jetzt auch weiter. Die Ampel ist grade grün."
Er: "Na gut, dann sehn wir uns am Samstag (???)!"
Ich: "Ja, alles klar. Am Samstag."
Am Wochenende fahre ich übrigens nach Porto. Ich hoffe, das Wetter hält und ich kann euch Anfang nächster Woche über den Trip berichten. Bis dahin, haltet die Ohren streif und trinkt nicht soviel!
endlich finde ich wieder Zeit, euch zu schreiben. Ich finde es so in den Abständen (ca. 2 Wochen) eigentlich ganz gut, so kommt in jedem Eintrag (hoffentlich) etwas sinnvolles vor und ihr seid nicht übersättigt durch meine Gedankenströme.
Also, wo fang ich an? Vielleicht bei den Tapas! Wir (selbsternannte Spezialisten auf diesem Gebiet) haben die beste Tapasbar in Santiago de Compostela gefunden; es ist das Caballo Blanco. Für die Wahl einer solchen haben wir verschiedene Kriterien erlesen wie Preis für eine caña (ein Glas Bier), die dazukommenden Tapas, die Atmosphäre (wo, wie voll, Einrichtung) und die Freundlichkeit und Attraktivität der Kellnerin. Das Caballo Blanco konnte vor allem in den Kategorien Tapas (viel und sehr lecker), Preis (1,50/Glas), Lage und Freundlichkeit punkten. Auf Platz 2, knapp dahinter folgt das Casa Pepe, welches in den anderen Kategorien recht ordentlich abschneidet. Praktisch ist, dass die beiden Bars nur einen Urinstrahl (ca 20 Meter) auseinanderliegen. Heute abend ists wieder soweit. Vueltita de Tapas...ya me hago mucha ilusión!
Gestern war ich beim Fußball in La Coruña. Bei Deportivc wollte ich mich mal rantasten an die Weltmeisterliga. Abstiegsduell gegen Osasuna. Depo ist diese Saison noch ohne Sieg, sie sind Vorletzter und das Spiel gegen den Club aus dem Mittelfeld der Liga wurde zu einem Spiel, für das der Coach extra einen Psychologen ins Training integriert hatte.
Ich muss sagen, dass ich etwas enttäuscht war vom Spiel und drumherum. Bis 90 Minuten vor Spielbeginn war das Viertel um das (direkt am Meer gelegene) Stadion wie ausgestorben, die Kartenpreise waren gesalzen (keine Stehplätze, Sitzplätze ab 25 Euro) und es kamen nur ca. 20.000 Leute, obgleich der hohen Transzendenz dieses Spiels. So etwas würde es in Köln oder Frankfurt, wo seit Jahren kein attraktiver und erfolgreicher Fußball mehr gespielt wird nicht geben. Irgendwie ist die Bundesliga doch die beste Liga der Welt (Sorry Nino!).
Naja, wenigstens schien die Sonne und es wurde laut supportet (die Chants gleichen denen aus den deutschen Kurven in erstaunlich hohem Maße). Jedoch wollte es Deportivo mit dem Tore- schießen eher locker angehen lassen an diesem sonnigen Nachmittag. Trotz einstündiger Überzahl (Rot wegen Stinkefingers! Dass es sowas noch gibt....herrlich!) brachten die Blau- Weißen die Kugel nicht über die Kreidelinie. Die Stürmer waren schlicht unfähig. Eine Manschaft voller Gomezes (dachte ich, bis ich das Spiel gegen Hannover gesehen hab...). Ich suchte in den Gesichtern um mich herum nach etwas, was Anlass zur Hoffnung auf Besserung innherhalb der laufenden 90 Minuten geben könnte. Doch ich fand nichts. Leere, Resignation, Enttäuschung alla "wieder ein Sonntagnachmittag fürn Arsch!". Eigentlich war es fast wie in Köln. Leider. Naja, trotzdem war es ein wunderschöner, golden- herbstlicher Sonntagnachmittag, endlich wieder Fußball!
Heute morgen Dann stellte ich mir den Wecker auf sportliche 7 Uhr (morgens!), um um 8 Uhr beim Ausländeramt in Santiago de Compostela zu erscheinen. Warum? Darum: Um hier Sport in einer Halle machen zu können, muss man (logischer Weise) Geld bezahlen. Dieses kann man aber nicht in bar tun, sondern muss es überweisen (1). Daher muss man hier ein Konto eröffnen (2), was eigentlich auch noch nicht so richtig nach Problem klingt, es ist kostenfrei und kann jeder Zeit wieder gekündigt werden.
Also, ich in der Bank. Erstmal ein Zettelchen mit Nummer drauf ziehen. Ohne geht hier nämlich gar nichts. Nicht mal an der Fischtheke. 20 Minuten später war ich dann dran:
"Ich würde hier gerne ein Konto eröffnen!"
Typin: "Da brauchen Sie ein Dokument, welches belegt, dass Sie hier eine Wohnung haben!"
Ich:"Hmm ok. Wo krieg ich das denn?"
Sie: "Bei der zuständigen Behörde (3). Wo das ist, weiß ich nicht."
Ich: "Ok, danke."
Ab zum Rathhaus (4), von da zum Ausländermeldeamt (siehe: 3). Wunderbar, hatte sogar noch auf um 1 Uhr mittags. Ich betrete das Gebäude, wähne mich dem Formular, ich nenne es jetzt einfach mal "Passierschein A38", schon ganz nahe, da werde ich vom Beamten am Schalter, die Seelenruhe in Person mit Cigarette und Kaffee, von allen Illusionen befreit. "Was ich denn hier wolle?"- Meinen Spruch kannte ich da schon längst auswendig. "Ja. Da sind sie hier richtig. Jetzt müssten Sie eigentlich ein Zettelchen mit Nümmerchen drauf ziehen. Problem: Uns sind die Zettelchen ausgegangen. Kommen Sie doch morgen früh nochmal wieder!" Arrrgl...
Heute morgen also, 7 Uhr. Aufstehn, unter die Dusche quälen. 8 Uhr, ich steh vor der Kaschemme. Herbstliche Kälte kündigt den Winter an. Mit mir warten ca. 50 andere Leute, dass der Bums endlich geöffnet wird. Um 9 Uhr dann ist es endlich soweit. Die Pforten öffnen sich. Das beste: ich kriege endlich mein Zettelchen mit Nümmerchen drauf. 17. Eine geschlagene Stunde später, ich bin kurz vorm Einschlafen, bin ich endlich an der Reihe. Mein Anliegen wird bearbeitet von einem Kollegen, der aussieht als ob er schon seit dem Aufstehen auf die Mittagspause hinarbeiten würde.
"Ja. Okay, verstehe ich!", nuschelt er und ich bin fest davon überzeugt, den Schein bald in Empfang nehmen zu dürfen. Dann entsteht eine unangenehme Pause.
"Allerdings..."- Pause- "...müssen sie dazu erstmal dieses Formular hier (er hält mir ein Blatt Papier unter die Nase) ausfüllen. Und dann nochmal wiederkommen."(5)
Was für ein Saftladen!!!! Ich will doch nur Sport machen!!!! F***t euch doch, ihr sch*** Beamtensch***ne!
Also, jetzt wisst ihr auch, was ich morgen um 7 Uhr mache...
Die light- Version dieses kafkaesken Prozederes stellte übrigens mein Antrag aus Immatrikulation dar. Die spanische Bürokratie raubt mir den letzten Nerv!
Jetzt bin ich müde und möchte schlafen, Schuld der spanischen "Ämter", bei denen die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, nicht etwa wegen des übersteigerten Gefeieres. Eines allerdings sollte mich nachdenklich stimmen: irgendwie grüßen mich in letzter Zeit wildfremde Menschen in der Stadt. Menschen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen haben will. Vorgestern gehe ich eiligen Schrittes durch die Straßen, überquere eine Ampel, da zieht mich ein spanischer Mitzwanziger am Arm. Schockiert starrte ich ihn an. Er zurück. Ich dachte, jetzt ist es soweit. Er haut mir eine rein, weil ein paar deutsche Idioten ihm den Heimaturlaub auf Mallorca versaut haben, indem sie ihn nachts nicht schlafen ließen und tagsüber am Strand auf sein Handtuch kotzten. Weit gefehlt.
Er: "Hola Robert, wie gehts, was machst du hier?"
Ich: "Ehh...hi. Ich...bin auf dem Weg nach Hause. Vom Enkaufen! Und du?"
Er: "Ich besuche meine Freundin hier. Mann war das eine harte Nacht am Donnerstag. Du hattest auch Spaß, oder? Warst du in der Uni am Freitag?"
Ich: "Nein. Du?"
Er: "Haha, nein, du weißt doch, dass ich nicht mehr zur Uni gehe!"
Ich: "Mhhm...okay. Ich muss jetzt auch weiter. Die Ampel ist grade grün."
Er: "Na gut, dann sehn wir uns am Samstag (???)!"
Ich: "Ja, alles klar. Am Samstag."
Am Wochenende fahre ich übrigens nach Porto. Ich hoffe, das Wetter hält und ich kann euch Anfang nächster Woche über den Trip berichten. Bis dahin, haltet die Ohren streif und trinkt nicht soviel!
Sonntag, 3. Oktober 2010
"Du kannst nicht immer soviel saufen!"
Nun bin ich fast auf den Tag genau 2 Wochen hier in Santiago. Zeit für einen weiteren Eintrag im Live- Ticker meines Galicien- Aufenthaltes.
Gerade in diesem Moment lasse ich die hier vergangene Zeit revue passieren. Was ist hängen geblieben? Was war wichtig? Nun, zunächst einmal kann ich es kaum glauben, dass schon 2 Wochen vergangen sind, seit ich in diese Wohnung in der Rúa San Pedro de Mezonzo eigezogen bin. Und ich fühle mich wirklich wohl. Auch, wenn vor 20 Minuten die Waschmaschine ausgefallen ist, was zur Folge hatte, dass die gesamte Küche unter Wasser stand. Doch nach einem kurzen aber intensiven Wischmob- Blues meinerseit ist das Gröbste jetzt wieder bereinigt, besser als das, die Küche ist sauberer als zuvor. Allerdings ist meine Wäsche z.T. immernoch dreckig. Was tun?
Egal, das alles interessiert euch alle wahrscheinlich einen feuchten Dreck (haha!). Zu meiner allgemeinen Verfassung: Der Herbst hat Einzug gehalten in Galicien. Und der Herbst in und um Santiago de Compostela ist mit "feucht" noch wirklich wohlwollend umschrieben. Es schüttet wie aus Eimern! Hört mir bloß auf mit Aachen! Das ist ein Witz gegen die nordspanischen Naturgewalten! Hab in diesen 3 Tagen Arche- Noah- Gedenkniederschlägen schon meinen ersten Regenschirm verschlissen. Denn zu dem schier endlos wirkenden Regen gesellt sich auch noch ein Wind, der dermaßen an dem Wandelnden rüttelt, dass dieser das Gefühl hat, Wind und Wasser kämen von allen Seiten (ist vielleicht auch so!?). Der bloße Gang zum Bäcker schürt die Aggressionen. Den modernen Sisyphos würden die Götter definitiv in Santiago de Compostela das Licht der Welt erblicken lassen.
Da lobt man sich die Stunden, die man gemütlich in einer hell erleuchteten Bar bei einem kühlen Bier totschlagen kann. Fatal: direkt neben meiner Wohnung, zwischen der Apotheke und der Jamonería (ein Laden nur für Schinken, in dem die Keulen zu dutzenden von der Decke hängen und die Straße mit einem unwiderstehlichen Geruch schwängern) ist eine eben solche Bar. Zuweilen wird dort auch Fußball gezeigt...
Apropos: Alkohol. Ein schwieriges Thema. Was mir am meisten zusetzt ist nicht etwa der Rioja, der hier zu dutzenden für nen kleinen Euro in sämtlichen Supermercados steht und vorzüglich schmeckt, auch nicht der Brandy, der jeden gut sortierten Alimentación- Laden hier in der Zona Nueva ziert. Es ist die ewige, ewige, unumgängliche Feierwut der Spanier. Vielleicht dachtet ihr (ich dachte es jedenfalls), dass dieses Fiesta, Fiesta espanola!!!- Klischee in dieselbe Ecke gehört wie das der Argentinier, die alle den ganzen Tag Tango tanzen oder das der Bayern, die jeden Tag in Trachten rumlaufen (die Liste ist lang). Weit gefehlt! Was hier zelebriert wird, das übersteigt alles bisher dagewesen in meinem kurzen Leben. Alles. Von Mittwoch bis Samstag ist hier wirklich immer, immer was los. Und jeder geht weg. Und mit weggehen meine ich nicht das "Ja, lass uns mal am Mittwoch in die N8schicht/ ins Apollo gehen! Aber nicht zu lange, ich muss am Donnerstag echt noch was machen!", nein wenn hier weggegangen wird ("Vamos a salir!"), dann immer bis zum (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes!) bitteren Ende. Vor 2-3 Uhr sind die Bars und Clubs in etwa so leer wie eine Vorlesung ohne Anwesenheitspflicht über das Bewässerungssystem des alten Ägyptens freitagmorgens um 8 Uhr. Dann gehts los (gespielt wird alles. Eigentlich ist die Musik der aus den deutschen Clubs sehr ähnlich.), es wird voller und voller bis so gegen 5, dann ist der Siedepunkt erreicht, vor 6 geht keiner, wer was auf sich hält beibt mindestens bis halb 8, der harte Kern bleibt bis 9 oder 10. Du kriechst völlig fertig mit der Welt durch die Straßen, willst nur noch ins Bett, am Horizont schiebt sich die Sonne unaufhaltbar gen Firmament und du kommst an einem Club vorbei, vor dem sich eine Schlang bis auf die Straße erstreckt, bestehend aus jungen Leuten, die alle blendend drauf sind und sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, den "Abend" mal langsam ausklingen zu lassen. Und das machen manche wirklich von Mittwoch bis Samstag. Aber, ich habe meiner Mutter ja versprochen, lebendig und gesund wiederzukommen, deswegen kann ich das meiner Leber, meinem Hirn und anderen lebenswichtigen Organen einfach nicht zumuten. Aber ganz wird sie sich nicht verhindern lassen, die wilde Feierei. Und das ist auch gut so...
Der Tag danach ist- natürlich!- immer total im Arsch. Heute ist so ein Tag. Viel geht nicht...war beim Bäcker und hab Vokabeln gelernt. Mein Wortschatz vergrößert sich von Tag zu Tag. Und ich bin Gott sei Dank gezwungen, jeden Tag auf spansich zu kommunizieren, weil ja mit Maria und Marta zusammenwohne. Die beiden nehmen mich übrigens toller Weise oft mit, hab schon viel erlebt, war mit ihnen und ihren Freunden letztes Wochenende in La Coruna. Ansonsten nehmen mich die beiden oft mit zum Feiern. Am Mittwoch war ich dann als einziger Junge mit 8 Spanierinnen zusammen im neuen Film mit Julian Roberts, "come, rechaza, ama" oder so ähnlich. Das war die absolute Endstufe. Aber noch lackiere ich mir nicht die Nägel. Apropos: lackierte Nägel. Mit etwas Glück habe ich bald vielleicht die Chance, Cristiano Ronaldo und seine Gurkentruppe aus der spanischen Hauptstadt live zu sehen, wenn sie im Dezember nach La Coruna kommen. Hab gestern beim Bier (Estrella Galicia, eigentlich ganz lecker, hat allerdings 5,5%, knallt tierisch. Macht aber keinen so dollen Kater wie z.B. San Miguel) Kontakte geknüpft zu Kontakten der deutschen Botschaft hier in Spanien.
Was bleibt? Morgen hab ich meinen ersten Unitag. Directamente Einstufungstest für den Sprachkurs. Fühl mich fitt. Vermisse allerdings ein wenig meine Freunde aus Deutschland. Julian hat mich heute um halb 12 geweckt, er saß mit Anna im Paulanerzelt auf den Wiesn. Das war nett...da wäre ich auch gern gewesen...naja, hier ists auch cool. Wirklich, ich fühle mich hier sehr wohl. Trotz Regen, Cristiano Ronaldo und kaputter Waschmaschinen. So jetzt gehts aber auf in die Sportsbar. Gleich spielt Real gegen La Coruna...
Gerade in diesem Moment lasse ich die hier vergangene Zeit revue passieren. Was ist hängen geblieben? Was war wichtig? Nun, zunächst einmal kann ich es kaum glauben, dass schon 2 Wochen vergangen sind, seit ich in diese Wohnung in der Rúa San Pedro de Mezonzo eigezogen bin. Und ich fühle mich wirklich wohl. Auch, wenn vor 20 Minuten die Waschmaschine ausgefallen ist, was zur Folge hatte, dass die gesamte Küche unter Wasser stand. Doch nach einem kurzen aber intensiven Wischmob- Blues meinerseit ist das Gröbste jetzt wieder bereinigt, besser als das, die Küche ist sauberer als zuvor. Allerdings ist meine Wäsche z.T. immernoch dreckig. Was tun?
Egal, das alles interessiert euch alle wahrscheinlich einen feuchten Dreck (haha!). Zu meiner allgemeinen Verfassung: Der Herbst hat Einzug gehalten in Galicien. Und der Herbst in und um Santiago de Compostela ist mit "feucht" noch wirklich wohlwollend umschrieben. Es schüttet wie aus Eimern! Hört mir bloß auf mit Aachen! Das ist ein Witz gegen die nordspanischen Naturgewalten! Hab in diesen 3 Tagen Arche- Noah- Gedenkniederschlägen schon meinen ersten Regenschirm verschlissen. Denn zu dem schier endlos wirkenden Regen gesellt sich auch noch ein Wind, der dermaßen an dem Wandelnden rüttelt, dass dieser das Gefühl hat, Wind und Wasser kämen von allen Seiten (ist vielleicht auch so!?). Der bloße Gang zum Bäcker schürt die Aggressionen. Den modernen Sisyphos würden die Götter definitiv in Santiago de Compostela das Licht der Welt erblicken lassen.
Da lobt man sich die Stunden, die man gemütlich in einer hell erleuchteten Bar bei einem kühlen Bier totschlagen kann. Fatal: direkt neben meiner Wohnung, zwischen der Apotheke und der Jamonería (ein Laden nur für Schinken, in dem die Keulen zu dutzenden von der Decke hängen und die Straße mit einem unwiderstehlichen Geruch schwängern) ist eine eben solche Bar. Zuweilen wird dort auch Fußball gezeigt...
Apropos: Alkohol. Ein schwieriges Thema. Was mir am meisten zusetzt ist nicht etwa der Rioja, der hier zu dutzenden für nen kleinen Euro in sämtlichen Supermercados steht und vorzüglich schmeckt, auch nicht der Brandy, der jeden gut sortierten Alimentación- Laden hier in der Zona Nueva ziert. Es ist die ewige, ewige, unumgängliche Feierwut der Spanier. Vielleicht dachtet ihr (ich dachte es jedenfalls), dass dieses Fiesta, Fiesta espanola!!!- Klischee in dieselbe Ecke gehört wie das der Argentinier, die alle den ganzen Tag Tango tanzen oder das der Bayern, die jeden Tag in Trachten rumlaufen (die Liste ist lang). Weit gefehlt! Was hier zelebriert wird, das übersteigt alles bisher dagewesen in meinem kurzen Leben. Alles. Von Mittwoch bis Samstag ist hier wirklich immer, immer was los. Und jeder geht weg. Und mit weggehen meine ich nicht das "Ja, lass uns mal am Mittwoch in die N8schicht/ ins Apollo gehen! Aber nicht zu lange, ich muss am Donnerstag echt noch was machen!", nein wenn hier weggegangen wird ("Vamos a salir!"), dann immer bis zum (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes!) bitteren Ende. Vor 2-3 Uhr sind die Bars und Clubs in etwa so leer wie eine Vorlesung ohne Anwesenheitspflicht über das Bewässerungssystem des alten Ägyptens freitagmorgens um 8 Uhr. Dann gehts los (gespielt wird alles. Eigentlich ist die Musik der aus den deutschen Clubs sehr ähnlich.), es wird voller und voller bis so gegen 5, dann ist der Siedepunkt erreicht, vor 6 geht keiner, wer was auf sich hält beibt mindestens bis halb 8, der harte Kern bleibt bis 9 oder 10. Du kriechst völlig fertig mit der Welt durch die Straßen, willst nur noch ins Bett, am Horizont schiebt sich die Sonne unaufhaltbar gen Firmament und du kommst an einem Club vorbei, vor dem sich eine Schlang bis auf die Straße erstreckt, bestehend aus jungen Leuten, die alle blendend drauf sind und sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden wollen, den "Abend" mal langsam ausklingen zu lassen. Und das machen manche wirklich von Mittwoch bis Samstag. Aber, ich habe meiner Mutter ja versprochen, lebendig und gesund wiederzukommen, deswegen kann ich das meiner Leber, meinem Hirn und anderen lebenswichtigen Organen einfach nicht zumuten. Aber ganz wird sie sich nicht verhindern lassen, die wilde Feierei. Und das ist auch gut so...
Der Tag danach ist- natürlich!- immer total im Arsch. Heute ist so ein Tag. Viel geht nicht...war beim Bäcker und hab Vokabeln gelernt. Mein Wortschatz vergrößert sich von Tag zu Tag. Und ich bin Gott sei Dank gezwungen, jeden Tag auf spansich zu kommunizieren, weil ja mit Maria und Marta zusammenwohne. Die beiden nehmen mich übrigens toller Weise oft mit, hab schon viel erlebt, war mit ihnen und ihren Freunden letztes Wochenende in La Coruna. Ansonsten nehmen mich die beiden oft mit zum Feiern. Am Mittwoch war ich dann als einziger Junge mit 8 Spanierinnen zusammen im neuen Film mit Julian Roberts, "come, rechaza, ama" oder so ähnlich. Das war die absolute Endstufe. Aber noch lackiere ich mir nicht die Nägel. Apropos: lackierte Nägel. Mit etwas Glück habe ich bald vielleicht die Chance, Cristiano Ronaldo und seine Gurkentruppe aus der spanischen Hauptstadt live zu sehen, wenn sie im Dezember nach La Coruna kommen. Hab gestern beim Bier (Estrella Galicia, eigentlich ganz lecker, hat allerdings 5,5%, knallt tierisch. Macht aber keinen so dollen Kater wie z.B. San Miguel) Kontakte geknüpft zu Kontakten der deutschen Botschaft hier in Spanien.
Was bleibt? Morgen hab ich meinen ersten Unitag. Directamente Einstufungstest für den Sprachkurs. Fühl mich fitt. Vermisse allerdings ein wenig meine Freunde aus Deutschland. Julian hat mich heute um halb 12 geweckt, er saß mit Anna im Paulanerzelt auf den Wiesn. Das war nett...da wäre ich auch gern gewesen...naja, hier ists auch cool. Wirklich, ich fühle mich hier sehr wohl. Trotz Regen, Cristiano Ronaldo und kaputter Waschmaschinen. So jetzt gehts aber auf in die Sportsbar. Gleich spielt Real gegen La Coruna...
Sonntag, 19. September 2010
Santiago, die Erste.
Liebe Leser,
zunächst möchte ich mich für die Bilderarmut auf meinem Blog entschuldigen. Glaubts oder nicht, ich bin nicht in Besitz einer Digicam. Und mit dem Handy zu fotografieren ist mir zu blöd. Naja, vielleicht schenken mir meine Eltern ja eine Kamera zu Weihnachten. Bis dahin, strengt eure Phantasie ein wenig an.
Freitag Abend war schön. Abgesehen davon, dass die Eintracht in letzter Minute gegen...naja, egal...eigentlich war es recht schön. Vielen Dank an die "Familie".
Wenige Stunden später klingelte mein Wecker. Meine Eltern brachten mich um 3.30 Uhr nach Frankfurt- Hahn, was ich ihnen hoch anrechne. Der Ryanair- Flug kam nicht ganz an die Katastrophe von Málaga ran (Vito und Julian wissen, was gemeint ist), aber er flog auch erst 1 Stunde später los, welche ich- Gott sei dank!- verschlief. Die Landung hingegen spührte ich in Mark und Bein, als der Flieger irgendwie auf den letzten Metern krass an Höhe verlor, um mit den Rädern kurz aber heftig aufzusetzen, wieder ein paar Meter abzuheben und äußerst unsanft zu landen.
Um 10 Uhr morgens war ich dann eigentlich völlig kaputt, aber das erreichen dieser wahrlich prachtvollen Stadt inmitten saftig grüner Landschaft, die Erinnerung an meine Pilgerei mit Julian und die Erwartung des Unbekannten inklusive des "Völlig-auf-sich-alleine-gestellt-sein"- Gefühls (ich nenne es das "Rolling- Stone"- Gefühl, allerdings nicht das "Rolling Stones- Mick Jagger&Co.", sondern das "Bob Dylan- Like a rolling stone"- Gefühl) hielten mich wach. Es mag im übrigen sein, dass es in Santiago de Compostela mehr regnet als andernorts, jedoch empfing mich die Stadt mit echtem Kaiserwetter, tiefblauer Himmel, fast schon mediterrane Wärme, dazu ein leichter aber erfrischender Wind.
Im Vorhinein hatte ich abgeklärt, dass ich bei der Bekannten einer Freundin, Anne, wohnen durfte, bis ich eine feste Bleibe gefunden hatte- diese nette Geste ersparte mir viel Stress und vor allem viel Geld. Als ich ankam und erfrischend umstandslos empfangen wurde, legte ich mich erstmal für 2 Stunden zum Nickerchen hin. Ich war echt fertig und zufrieden.
Als ich erwachte, machte ich mich sofort auf in die Innenstadt. Ich kannte den Weg noch haargenau von der Pilgerreise und fand mich sofort zurecht. Unterwegs begeneten mir zig Pilger, die zwar glücklich aber zum Teil auch völlig, völlig fertig aussahen. Ich konnte mich sehr gut in diese Rolle hineinversetzen, trotzdem- oder vielleicht gerade deshalb- war es ein eher belustigender Anblick.
Als ich dann vor der Kathedrale stand, war der Anblick schier überwältigend. Nicht nur ob der anmutenden Austrahlung, die dieses Gotteshaus (eines der schönsten die ich jeh gesehen habe) zweifellos an sich hatte, sondern vor allem, weil ich mit Julian vor fast genau einem Jahr vollkommen freudetrunken und fertig mit der Welt nach 5 Wochen "einmal quer durch Spanien laufen" an genau dieser Stelle gestanden hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ich heute an diesem Punkt stehen würde, um ein auslandsjahr zu beginnen. Ich konnte nicht anders, als meinen Companero anzurufen und ihm dieses Gefühl mitzuteilen.
Ebenso leicht wie zur Kathedrale fand ich auch zur Sportsbar, in der wir damals unsere Ankunft begossen hatten. Nach einem Willkommensbier registrierte ich, dass hier heute abend das Real Madrid- Spiel gezeigt werden würde. Perfekt! Da ich zu viel mehr nicht in der Lage war, war somit auch das Abendprogramm geplant.
Nachdem ich noch ein wenig in der Stadt herumgelaufen war, die Uni besichtigt hatte, die Altstadt erkundet hatte und in einem der zahlreichen Parks das Wetter und das Gefühl des Triumphes genossen hatte, kehrte ich in die besagte Bar zurück, um mich vom weißen Ballett verzaubern zu lassen. Die Madrilenen gewannen 2:1. Die Erkentnisse des Abends:
1.: das spanische Bier hält nicht solange, vor allem da die Gläser kleiner sind.
2.: Özil und Khedira waren echt schlecht.
3.: spanische Frauen gehen nicht wie in Deutschland nur ihres Freundes/Mannes halber zum Fußball- gucken in die Kneipe.
4.: Cristiano Ronaldo ist eine verweichlichte Muschi, die sich alle 7 Meter fallen lässt (eigentlich keine neue Erkenntnis, nur Wahrwerdung eines Vorurteils).
5.: wenn Real Meister wird, dann nur deshalb, weil sie den Bayern das Dusel- Gen geklaut haben.
Der Tag darauf begann für mich mit dem Gedanken daran, mich jetzt langsam mal nach einer Wohnung zu bemühen. Ich hatte lange geschlafen, um mich nun (gegen 11) gemütlich unter die warme Dusche zu bewegen. Darauf folgte ein entspannter Café in meinem neuen Lieblingslokal, um den Start in den Tag abzurunden. Ich glaube, so in etwa stellt sich ein CDU- Abgeordneter den Vormittag eines Asylanten vor.
Vor der Praxis (Wohnungssuche) folgte jetzt erstmal graue Theorie. Vokabeln aus Texten, die ich in der Uni in den vergangenen Semestern übersetzen sollte und nicht kannte, hatte ich mir in Deutschland schon auf Kartekarten aufgeschrieben und machte es mir zum Tagesziel, einen guten Stapel abzuarbeiten. Darunter waren Vokabeln wie "jemandem etwas zuteilen" oder "angleichen" usw. . Hättet ihr's gewusst?
Übers Netz hatte ich für heute schon zwei Wohnungen zur Besichtigung ins Visier genommen. Man muss dazu sagen, dass ich eigentlich viel zu spät dran war, um noch was ordentliches zu kriegen. Als ich die frohe Botschaft erhalten hatte, dass ich nach Santiago durfte, hatte ich schon den Urlaub mit Vito gebucht und während wir beidnen in Andalusien in Dekadenz schwälgten, machten sich die meisten anderen schon 2-3 Wochen früher auf, um sich die beste Bude zu sichern. An eine Wohnung in der Altstadt o.ä. war deshalb leider gar nicht mehr zu denken. Aber als das wichtigste erschienen mir sowieso meine zukünftigen Mitbewohner.
Kurz bevor ich mich zur Besichtigung aufmachte, war ich ziemlich angespannt. Ich machte mir nen ziemlichen Kopf um Details wie Kleidung, Geruch (hab mir extra nochmal die Zähne geputzt) oder mein Spanischvokabular, ich hatte mir sogar komplette Phrasen überlegt (völlig albern im Nachhinein). Es war irgendwie ein wenig wie bei einem ersten Date. Man will's halt nicht versauen.
Die erste Wohnung war, ums kurz zu machen, nix. Fieser Geruch, klitzekleines Zimmer und die Mitbewohner...naja... . Völlig desillusioniert setze ich mich in ein Café und verbrachte so die letzte halbe Stunde vor dem zweiten Termin. Der Typ von der ersten Wohnung hatte durchsickern lassen, dass sich noch 15 andere "beworben" hatten. Und das bei der Ranzkaschemme. Oh Gottohgottohgottohgott. Musste ich letztendlich doch die katholische Kirche bestechen, um ein Jahr Metallbettchen an Metallbettchen mit schnarchenden, stinkenden Pilgern schlafen zu dürfen?
Es kam anders. Die zweite Wohnung öffneten mir zwei strahlende Mädels mit einem langgezogenen "Hoolaaa!". Sie zeigten mir die Wohnung, erklärten mir alles geduldig und hörten sich ebenso bereitwillig mein Spanischgestammel an, um mir dann zu versichern wie super gut ich Castellano sprechen würde und wie beeidruckt sie wären. Das Zimmer war eigentlich ziemlich dunkel, außerdem recht klein, gelegen im dritten Stock eines kalten Hochhauses im Neubauviertel, Julian hätte sicherlich die Vollkrise bekommen. Und doch war da etwas, das mich von dieser Wohnung überzeugte, etwas warmes, das vor allem von den beiden Spanierinnen ausging und der Herzlichkeit, mir der sie mich empfangen und auch schon vorher ihre Wohnung und Zimmer eingerichtet hatten. Und nein, mit Brüsten hatte das alles wirklich gar nichts zu tun. Wirklich nicht.
Ich ging aus der Wohnung, den Wohnungs- und Haustürschlüssel in der Hand haltend. Im Backround meines Kopfes lief "We are the Champions" von Queen. Ich werde das kommende Jahr in einer Wohnung zusammen mit Maria, Marta und Rafaela verbringen. Ich war so gut drauf, dass ich beinahe die Treppe genommen hätte. Doch dann fiehl mir ein, dass ich mich in einem Hochhaus befand.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit, durch Santiago zu schlendern und Neues und Altes zu entdecken. Für eine Weile setze ich mich auf eine Bank in einem Park und dachte angestrengt nach. Das Wichtigste war nun erledigt. Nun sinnierte ich darüber, was die nahe Zukunft mir bringen würde, wie dieses Jahr zu einem tollen Jahr, zu meinem Jahr werden könnte.
zunächst möchte ich mich für die Bilderarmut auf meinem Blog entschuldigen. Glaubts oder nicht, ich bin nicht in Besitz einer Digicam. Und mit dem Handy zu fotografieren ist mir zu blöd. Naja, vielleicht schenken mir meine Eltern ja eine Kamera zu Weihnachten. Bis dahin, strengt eure Phantasie ein wenig an.
Freitag Abend war schön. Abgesehen davon, dass die Eintracht in letzter Minute gegen...naja, egal...eigentlich war es recht schön. Vielen Dank an die "Familie".
Wenige Stunden später klingelte mein Wecker. Meine Eltern brachten mich um 3.30 Uhr nach Frankfurt- Hahn, was ich ihnen hoch anrechne. Der Ryanair- Flug kam nicht ganz an die Katastrophe von Málaga ran (Vito und Julian wissen, was gemeint ist), aber er flog auch erst 1 Stunde später los, welche ich- Gott sei dank!- verschlief. Die Landung hingegen spührte ich in Mark und Bein, als der Flieger irgendwie auf den letzten Metern krass an Höhe verlor, um mit den Rädern kurz aber heftig aufzusetzen, wieder ein paar Meter abzuheben und äußerst unsanft zu landen.
Um 10 Uhr morgens war ich dann eigentlich völlig kaputt, aber das erreichen dieser wahrlich prachtvollen Stadt inmitten saftig grüner Landschaft, die Erinnerung an meine Pilgerei mit Julian und die Erwartung des Unbekannten inklusive des "Völlig-auf-sich-alleine-gestellt-sein"- Gefühls (ich nenne es das "Rolling- Stone"- Gefühl, allerdings nicht das "Rolling Stones- Mick Jagger&Co.", sondern das "Bob Dylan- Like a rolling stone"- Gefühl) hielten mich wach. Es mag im übrigen sein, dass es in Santiago de Compostela mehr regnet als andernorts, jedoch empfing mich die Stadt mit echtem Kaiserwetter, tiefblauer Himmel, fast schon mediterrane Wärme, dazu ein leichter aber erfrischender Wind.
Im Vorhinein hatte ich abgeklärt, dass ich bei der Bekannten einer Freundin, Anne, wohnen durfte, bis ich eine feste Bleibe gefunden hatte- diese nette Geste ersparte mir viel Stress und vor allem viel Geld. Als ich ankam und erfrischend umstandslos empfangen wurde, legte ich mich erstmal für 2 Stunden zum Nickerchen hin. Ich war echt fertig und zufrieden.
Als ich erwachte, machte ich mich sofort auf in die Innenstadt. Ich kannte den Weg noch haargenau von der Pilgerreise und fand mich sofort zurecht. Unterwegs begeneten mir zig Pilger, die zwar glücklich aber zum Teil auch völlig, völlig fertig aussahen. Ich konnte mich sehr gut in diese Rolle hineinversetzen, trotzdem- oder vielleicht gerade deshalb- war es ein eher belustigender Anblick.
Als ich dann vor der Kathedrale stand, war der Anblick schier überwältigend. Nicht nur ob der anmutenden Austrahlung, die dieses Gotteshaus (eines der schönsten die ich jeh gesehen habe) zweifellos an sich hatte, sondern vor allem, weil ich mit Julian vor fast genau einem Jahr vollkommen freudetrunken und fertig mit der Welt nach 5 Wochen "einmal quer durch Spanien laufen" an genau dieser Stelle gestanden hatte. Nie hätte ich gedacht, dass ich heute an diesem Punkt stehen würde, um ein auslandsjahr zu beginnen. Ich konnte nicht anders, als meinen Companero anzurufen und ihm dieses Gefühl mitzuteilen.
Ebenso leicht wie zur Kathedrale fand ich auch zur Sportsbar, in der wir damals unsere Ankunft begossen hatten. Nach einem Willkommensbier registrierte ich, dass hier heute abend das Real Madrid- Spiel gezeigt werden würde. Perfekt! Da ich zu viel mehr nicht in der Lage war, war somit auch das Abendprogramm geplant.
Nachdem ich noch ein wenig in der Stadt herumgelaufen war, die Uni besichtigt hatte, die Altstadt erkundet hatte und in einem der zahlreichen Parks das Wetter und das Gefühl des Triumphes genossen hatte, kehrte ich in die besagte Bar zurück, um mich vom weißen Ballett verzaubern zu lassen. Die Madrilenen gewannen 2:1. Die Erkentnisse des Abends:
1.: das spanische Bier hält nicht solange, vor allem da die Gläser kleiner sind.
2.: Özil und Khedira waren echt schlecht.
3.: spanische Frauen gehen nicht wie in Deutschland nur ihres Freundes/Mannes halber zum Fußball- gucken in die Kneipe.
4.: Cristiano Ronaldo ist eine verweichlichte Muschi, die sich alle 7 Meter fallen lässt (eigentlich keine neue Erkenntnis, nur Wahrwerdung eines Vorurteils).
5.: wenn Real Meister wird, dann nur deshalb, weil sie den Bayern das Dusel- Gen geklaut haben.
Der Tag darauf begann für mich mit dem Gedanken daran, mich jetzt langsam mal nach einer Wohnung zu bemühen. Ich hatte lange geschlafen, um mich nun (gegen 11) gemütlich unter die warme Dusche zu bewegen. Darauf folgte ein entspannter Café in meinem neuen Lieblingslokal, um den Start in den Tag abzurunden. Ich glaube, so in etwa stellt sich ein CDU- Abgeordneter den Vormittag eines Asylanten vor.
Vor der Praxis (Wohnungssuche) folgte jetzt erstmal graue Theorie. Vokabeln aus Texten, die ich in der Uni in den vergangenen Semestern übersetzen sollte und nicht kannte, hatte ich mir in Deutschland schon auf Kartekarten aufgeschrieben und machte es mir zum Tagesziel, einen guten Stapel abzuarbeiten. Darunter waren Vokabeln wie "jemandem etwas zuteilen" oder "angleichen" usw. . Hättet ihr's gewusst?
Übers Netz hatte ich für heute schon zwei Wohnungen zur Besichtigung ins Visier genommen. Man muss dazu sagen, dass ich eigentlich viel zu spät dran war, um noch was ordentliches zu kriegen. Als ich die frohe Botschaft erhalten hatte, dass ich nach Santiago durfte, hatte ich schon den Urlaub mit Vito gebucht und während wir beidnen in Andalusien in Dekadenz schwälgten, machten sich die meisten anderen schon 2-3 Wochen früher auf, um sich die beste Bude zu sichern. An eine Wohnung in der Altstadt o.ä. war deshalb leider gar nicht mehr zu denken. Aber als das wichtigste erschienen mir sowieso meine zukünftigen Mitbewohner.
Kurz bevor ich mich zur Besichtigung aufmachte, war ich ziemlich angespannt. Ich machte mir nen ziemlichen Kopf um Details wie Kleidung, Geruch (hab mir extra nochmal die Zähne geputzt) oder mein Spanischvokabular, ich hatte mir sogar komplette Phrasen überlegt (völlig albern im Nachhinein). Es war irgendwie ein wenig wie bei einem ersten Date. Man will's halt nicht versauen.
Die erste Wohnung war, ums kurz zu machen, nix. Fieser Geruch, klitzekleines Zimmer und die Mitbewohner...naja... . Völlig desillusioniert setze ich mich in ein Café und verbrachte so die letzte halbe Stunde vor dem zweiten Termin. Der Typ von der ersten Wohnung hatte durchsickern lassen, dass sich noch 15 andere "beworben" hatten. Und das bei der Ranzkaschemme. Oh Gottohgottohgottohgott. Musste ich letztendlich doch die katholische Kirche bestechen, um ein Jahr Metallbettchen an Metallbettchen mit schnarchenden, stinkenden Pilgern schlafen zu dürfen?
Es kam anders. Die zweite Wohnung öffneten mir zwei strahlende Mädels mit einem langgezogenen "Hoolaaa!". Sie zeigten mir die Wohnung, erklärten mir alles geduldig und hörten sich ebenso bereitwillig mein Spanischgestammel an, um mir dann zu versichern wie super gut ich Castellano sprechen würde und wie beeidruckt sie wären. Das Zimmer war eigentlich ziemlich dunkel, außerdem recht klein, gelegen im dritten Stock eines kalten Hochhauses im Neubauviertel, Julian hätte sicherlich die Vollkrise bekommen. Und doch war da etwas, das mich von dieser Wohnung überzeugte, etwas warmes, das vor allem von den beiden Spanierinnen ausging und der Herzlichkeit, mir der sie mich empfangen und auch schon vorher ihre Wohnung und Zimmer eingerichtet hatten. Und nein, mit Brüsten hatte das alles wirklich gar nichts zu tun. Wirklich nicht.
Ich ging aus der Wohnung, den Wohnungs- und Haustürschlüssel in der Hand haltend. Im Backround meines Kopfes lief "We are the Champions" von Queen. Ich werde das kommende Jahr in einer Wohnung zusammen mit Maria, Marta und Rafaela verbringen. Ich war so gut drauf, dass ich beinahe die Treppe genommen hätte. Doch dann fiehl mir ein, dass ich mich in einem Hochhaus befand.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit, durch Santiago zu schlendern und Neues und Altes zu entdecken. Für eine Weile setze ich mich auf eine Bank in einem Park und dachte angestrengt nach. Das Wichtigste war nun erledigt. Nun sinnierte ich darüber, was die nahe Zukunft mir bringen würde, wie dieses Jahr zu einem tollen Jahr, zu meinem Jahr werden könnte.
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